Begriffsklärung

Grenzen können zum Einen rein räumliche Grenzen sein. Also eine Trennlinie zwischen zwei Ländern oder auch zwischen zwei Zimmern innerhalb einer Wohnung oder von der Wohnung auf die Straße sein. Das sind Grenzen, die im Hundetraining durchaus eine Rolle spielen können. Manche Hunde sollen z.B. lernen, dass sie nicht in das Kinderzimmer gehen sollen oder in die Küche. Wer direkt vor der Haustür einen Gehweg oder eine befahrene Straße hat, wird Wert darauf legen, dass der Hund an der Haustür kurz wartet, bis der Hundehalter sich überzeugen konnte, dass alle gefahrlos rausgehen können. Auch der Übergang vom Weg in den Wald oder vom Gehweg auf die Straße spielen im Zusammenleben mit unseren Hunden als räumliche Grenze durchaus eine Rolle. Viele Hundehalter bringen ihren Hunden bei auf den Wegen zu bleiben und den Bewuchs an den Wegrändern als Grenze zu akzeptieren, die sie nicht überschreiten sollen. Und es kann sehr praktisch sein, wenn ein Hund gelernt hat an der Gehwegkante zu warten bis er das Go vom Hundehalter bekommt, die Straße überqueren zu können.

Zum anderen sprechen wir aber auch von Grenzen, wenn wir gegensätzliche Bereiche voneinander abtrennen wollen, also hell und dunkel z.B. Oder auch zwischen Kindheit und Jugend. Diese Übergänge bestimmter Entwicklungsphasen gibt es natürlich auch bei Hunden. Welpe zum Junghund, Junghund zum erwachsenen Hund, der Übergang vom erwachsenen Hund zum Senior.

Außerdem spricht man von Grenzen auch immer dann, wenn es darum geht Beschränkungen, Einschränkungen zu benennen.

  • Hier sind z.B. zeitliche Einschränkungen gemeint: für eine Prüfung hat man nur eine gewisse Zeitspanne zur Verfügung.
  • Oder die Grenzen, die eine Gesellschaft steckt. Eine Gesellschaft gibt vor, was sich gehört. Unsere Gesellschaft malt auch ein Bild darüber, wie sich ein gut erzogener Hund zu benehmen hat.
  • Und in unserem Fall in der Hundeerziehung auch, was der Halter für den Hund als angebracht definiert

Die Aussage jemanden in seine Grenzen verweisen kennen wir alle. Ebenso die Aussage an die eigenen Grenzen zu stoßen. Immer geht es dann um Einengungen, Beschränkungen.

Dies ist wohl die am häufigsten gemeinte Bedeutung, wenn der Ruf nach Grenzen im Zusammenleben mit unseren Hunden laut wird. Wenn im Bereich der Hundeerziehung der Ruf nach Grenzen laut wird, meint dies in aller Regel, dass der Mensch dem Hund eine Grenze setzen möchte. Dabei geht es meist darum, dass der Hund ein Verhalten zeigt, das den Menschen stört, das der Mensch nicht haben möchte. Und genau in diesem Zusammenhang fallen Sätze wie „bis hierher und nicht weiter“, „jetzt reichts aber“, „ der (gemeint ist der Hund) weiß genau, dass er das nicht soll“  oder „der muss doch wissen was falsch ist“. Häufig sind Hundehalter, wenn sie diese Sätze sagen, genervt, ärgerlich oder auch schlicht am Ende ihrer Handlungsmöglichkeiten also hilflos und frustriert. Wenn man genauer nachfragt ist es nicht selten so, dass der Hund entweder aus Hundesicht, aus Hundebedürfnissen sinnvolles und damit unter anderem auch arttypisches Verhalten zeigt, das begrenzt werden soll. Für den Hund ist es normales hündisches Verhalten die Nachbarskatze zu verbellen, dem Eichhörnchen nachzujagen, nicht jeden anderen Hund zu mögen oder auch nicht von jedem Menschen gestreichelt werden zu wollen. Menschen erwarten aber häufig von ihren Hunden, dass sie genau das nicht tun, sich also im Grunde atypisch verhalten. Und Menschen haben nicht immer ein Bewusstsein dafür, dass sie ihrem Hund dann dabei helfen können, diese Anforderungen erfüllen zu können. Oder es stellt sich heraus, dass der Mensch an seinen Hund eine Anforderung stellt, die er in diesem Moment (noch) nicht erfüllen kann, weil er das erwünschte Verhalten noch gar nicht oder nicht unter einer solch großen Ablenkung gelernt hat. Wenn der Hund dann die Anforderung nicht erfüllt, ist das für den Hundehalter frustrierend und ärgerlich. Aus diesen Gefühlen heraus ist die menschliche Reaktion auf das unerwünschte Hundeverhalten dann sehr oft für den Hund mit unangenehm Konsequenzen verbunden, mit unangenehmen Einwirkungen durch den Menschen. Da wird der Hund an der Leine weitergezogen oder der Mensch verschafft sich mit nem lauten Brüller Luft. Oder der Hund wird getreten, geruckt, mit Wasser bespritzt, angezischt und was uns Menschen da nicht alles einfällt. Der Ruf nach Grenzen ist also häufig ein Ausdruck von Frustration beim Menschen und verbunden mit der Rechtfertigung und/oder dem Einsatz von aversiven Erziehungsmitteln.

Auch Menschen kommen manchmal an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Es ist menschlich, in einer schwierigen Situation mit dem Hund aus Schreck, Frust, Ungeduld, Scham oder Überlastung auch mal unbeherrscht reagiert. Dann ist das eine Momentreaktion und hat nichts mit den Überlegungen zu tun, wie man grundsätzlich mit dem eigenen Hund umgehen möchte.

Und im Vortrag wird es um diese Begriffsfärbung gehen, Grenzen als Einengung und Beschränkung