Die Arbeit mit dem Ressourcenschweinchen- der erste Schritt

Als Ben zu uns kam, hatte er wie beschrieben so einige Baustellen. Da man nicht alles gleichzeitig verändern kann, stand für uns lange Zeit im Vordergrund, dass wir unseren Alltag stress frei und komplikationslos gestalten konnten. Deshalb stand im Vordergrund daran zu arbeiten, dass wir das Brustgeschirr an- und ausziehen können, dass die Hunde und wir Menschen sich frei in der Wohnung  bewegen können, dass die Hunde alleine bleiben können usw. usw.

 

Ben hatte auch eine deutliche Bereitschaft gefundenes Fressen zu verteidigen, ebenso seinen Futternapf und Nageartikel, wenn Menschen sich angenähert haben. Das haben wir sehr lange über Management gelöst, weil wie bereits erwähnt andere Themen im Vordergrund standen. Im Januar 2011 gab es zwischen Ben und einer ihm bekannten Hündin einen Konflikt um einen Apfel. Ich wollte die Hündin schützen und habe nach Ben gegriffen, um ihn festzuhalten. Er dachte ich wollte ihm seinen Apfel abnehmen, er war ohnehin bereits hoch erregt und in totaler Abwehrhaltung und so hat er in dieser Übererregung nach mir geschnappt bzw. zugebissen. Um ähnliche Situationen besser bewältigen zu können, wollten wir langsfristig nun auch dieses Thema angehen und im Oktober 2011 war es dann soweit: Ben und ich sind auf ein Seminar gefahren - bis dahin auch völlig unvorstellbar- und unser erklärtes Trainingsziel dort war es, an der Ressourcenverteidigung zu arbeiten. Dies haben wir dann auch unter der Anleitung von Frau Dr. Ute Blaschke-Berthold getan und zuhause später in Eigenregie fortgesetzt.

 

Und über dieses Training möchte ich hier nun in mehreren Etappen berichten. Dabei ist es mir sehr wichtig zu betonen, dass dies keinesfalls eine Trainingsanleitung ist, sondern unseren individuellen Weg beschreibt. Jedes Training dieser Art muss individuell geplant und angepasst werden, weil es so viele Detailles und so viele individuelle Komponenten bei Hund und Mensch gibt, die für ein sinnvolles und zielführendes Training berücksichtig  werden müssen.

 

Aber es ist mit ein Anliegen zu zeigen, dass auch bei einem Hund, der zubeißen kann, ein Training über positive Verstärkung möglich und erfolgreich ist. Ich gebe zu, ich kann es langsam nicht mehr hören, dass Hunde, bei denen das klappt, ja nicht so gefährlich gewesen sind wie all die, die einige der berühmten Fernsehtrainer vor dem Einschläfern gerettet hätten. Und weil das den Hunden das Leben gerettet habe sei auch der Einsatz von Sprüh- oder Elektrohalsbänder, Blechnäpfen, Würgehalsbändern oder ähnlichen Hilfsmitteln sowie Tritte und körperliche Züchtigung gerechtfertigt. Nein, in meinen Augen rechtfertigt nicht der Zweck die Mittel, zumal es eben fundierte gewaltfreie Trainingstechniken gibt, die erfolgreich zu einer dauerhaften Verhaltensveränderung führen, die nicht nur Verhalten unterdrückt, sondern dazu führt, dass ein anderes Verhalten erlernt werden kann.

 

Unser Ziel war es immer, dass Ben lernen sollte, dass es nicht gefährlich ist, wenn wir in seine Nähe kommen, wenn er etwas begehrenswertes hat. Im Gegenteil, es lohnt sich für ihn, wenn wir uns nähern oder er uns sogar etwas bringt. Vor der Seminarwoche in Oberammergau hatte Ben schon sehr viele Grundbegriffe und Signale gelernt, die wir dann im Training am Thema Ressourcenverteidigung auch nutzten: Hand auf Signal anstubsen (Handtouch), auf Signal zum Menschen ortientieren, Markersignal/Clicker (Signal kündigt eine schöne Belohnung an), Entspannungssignal, Stoppsignal, wenig hochwertige Apportiergegenstände bringen usw. usw.

 

In Oberammergau haben wir hochwertige Rinderkopfhautknochen in den Futterdummy gepackt, etwas Käse noch oben drauf und dann ein paar Aufgaben abgefragt. Die Belohnung gab es in Form von Käse aus dem Dummy. Als das gut geklappt hat, wurde der Dummy geschlossen und als Belohnung geworfen. Ich habe mich angenäherht, Ben angesprochen und für jede Reaktion darauf mit hochweriger Futterbelohnung ihm hinwerfend belohnt. Außerdem ging ich dann wieder ein Stück von ihm weg, er durfte seine Ressource behalten und die Distanzvergrößerung war das, was er sich in diesem Moment am meisten gewünscht hat, sie war also der funktionale Verstärker. Er konnte auch bald den Handtouch befolgen und brachte zu unserer Überraschung dabei den Dummy mit. Als Endbelohnung erhielt er dann die Rinderkopfhaut aus dem Dummy und durfte diese futtern, solange ich mit ca. 3-5m Abstand dabei stand. Im Lauf des Seminars habe ich mich dann auch dem an der Rinderkopfhaut nagenden Ben genähert, genau wie oben bereits mit dem Dummy beschrieben. Für Ben war es äußerst hilfreich, selbst aktiv sein zu können, deshalb immer wieder die ihm bereits vertrauten Übungen und Signale.

 

Nach Oberammergau haben wir am 13.11.2011 das erste Mal in Eigenregie geübt. Allerdings zunächst noch mit einem hochwertigen Felldummy. Das nachfolgende Video entstand dann bei unserem zweiten Hometraining (dazwischen fand kein Training statt) am 20.11.2013 mit einer Rinderkopfhaut im Dummy. Ich gehe wie oben beschrieben vor.

http://youtu.be/Ial-3YTfo1M

(Auf Grund von für mich im Moment etwas undurchsichtiger Datenschutzbestimmungen, steht hier ein Link zum Video auf Youtube, was die Nutzung für Sie unkompfortabler macht. Ich

Bei Minute 3.37 werfe ich die Rinderkopfhaut; bei Minute 4.11 kann man erkennen, wie Ben kurz einfriert, als ich auf ihn zugehe.

 

Mein Markersignal ist ein Ps. Ben hat gelernt, dass nach jedem Ps eine tolle Belohnung von mir kommt. Ich habe das ausgewählt, als für mich die Arbeit mit Markersignalen noch neu war. Heute würde ich ein anderes Signal aussuchen, da das Ps gerne mal von Passanten mit einem Anzischen des Hundes verwechselt wird und es für ein Training mit mehr Distanz doch sehr leise ist. Da es aber so zuverlässig klappt, möchte ich es nun nicht wieder verändern.

 

Fortsetzung folgt

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